TEIL 2 — DICH SELBST FÜHREN, BEVOR DU ANDERE FÜHRST

Führung bedeutet Verantwortung, Präsenz und Klarheit — und gleichzeitig Menschsein. Gerade Leitungspersonen in sozialen und pädagogischen Kontexten tragen täglich viel. Erwartungen, Entscheidungen, Beziehungen, Spannungen und Prozesse, die oft im Verborgenen bleiben, prägen unseren Alltag.

Diese kleine Blog-Serie richtet sich an dich liebe Leitung – nicht als Rolle, sondern als Mensch in dieser Funktion und in diesem Verantwortungsfeld. Es geht nicht um Techniken oder Tools. Es geht um dich, ums Gesehen werden, um Selbstführung und darum, langfristig klar, stabil und handlungsfähig zu bleiben, indem du dir selbst treu bleibst, ohne dich zu verlieren.

In Teil 1 ging es darum, in deiner Rolle gesehen zu werden – sichtbar zu sein, klar aufzutreten und Verantwortung zu übernehmen.

Teil 2 richtet den Fokus nach innen:

Dich selbst führen, bevor du andere führst.

Gute Führung beginnt nicht bei Methoden, Konzepten oder Strukturen – nein, sie beginnt bei dir selbst. Das klingt vielleicht einfach. In der Praxis ist es jedoch oft das Anspruchsvollste. Als Leitung bist du es gewohnt, für andere da zu sein. Du hältst den Überblick, triffst Entscheidungen, klärst Situationen, bleibst ruhig, wenn es turbulent wird. Du bist diejenige, die Stabilität gibt – auch dann, wenn es sich in dir selbst gar nicht stabil anfühlt.

Vielleicht kennst du auch solche Momente:

  • Du wirkst sicher und klar nach aussen, aber innerlich fühlst du die Müdigkeit.
  • Du bleibst professionell, spürst jedoch den Druck, alles richtig und pünktlich machen zu müssen.
  • Du trägst Verantwortung und merkst gleichzeitig, wie schwer sie manchmal zu tragen ist.
  • Du merkst, dass es zurzeit einfach viel ist. Eigentlich weisst du, dass es zu viel ist, doch du ziehst es durch und hältst stand.


Vielleicht hast du auch schon mal gedacht …

  • „… ich muss stark bleiben.“
  • „… ich darf jetzt nicht pausieren. Einfach noch etwas durchhalten!“
  • „… ich kann mir das nicht leisten. Nicht jetzt!“
  • „… ich muss mich einfach besser organisieren, dann geht’s schon.“

Aber weisst du was: Du bist kein System, das einfach funktionieren muss. Du bist ein Mensch in einer sehr anspruchsvollen Rolle mit einem breiten Aufgabenfeld. Selbstführung bedeutet nicht, noch mehr zu leisten. Es bedeutet vielmehr, wieder näher bei dir selbst zu sein.

Als Coachin und Mentorin erlebe ich viele Leitungspersonen, die sehr gut darin sind, andere zu führen. Gleichzeitig beobachte ich leider auch viele, die dabei fast automatisch über sich selbst hinweggehen. Das ist kein Versagen, sondern eine Folge der Rolle. Und genau deshalb braucht es manchmal einen bewussten Schritt zurück – hin zu dir selbst.

Ich kenne das sehr gut. Ich habe diesen Druck und die hohe Erwartungshaltung an mich selbst jahrelang aufrechterhalten. Heute weiss ich: Selbstführung heisst, die eigene Energie zu spüren, sie ernst zu nehmen, wahrzunehmen, wann es genug ist, und frühzeitig zu reagieren – nicht erst dann, wenn die Erschöpfung so gross ist, dass es nicht mehr so geht, wie es sollte.

Deshalb lege ich dir ans Herz, dir folgende Fragen zu erlauben:

  • Wo stehe ich gerade wirklich?
    Was brauche ich, um wieder vollumfänglich handlungsfähig zu sein?
  • Wo handle ich bewusst – und wo reagiere ich nur noch automatisch?
  • Was brauche ich, um in meiner ganzen Kraft und Energie zu stehen

Vielleicht sind folgende Handlungsmöglichkeiten hilfreich für deinen Weg zur Selbstführung:

  • klarer zu delegieren, statt alles selbst zu tragen
  • in Sitzungen Grenzen zu setzen, wenn es zu viel wird
  • dir echte Erholungszeiten zu nehmen – ohne schlechtes Gewissen
  • gezielt Begleitung durch Coaching beizuziehen

Selbstführung heisst nicht, alles allein zu schaffen. Im Gegenteil: Zu guter Führung gehört es, zu wissen, wann du Unterstützung brauchst – und sie dann auch anzunehmen. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Als Coachin und Mentorin begleite ich Leitungspersonen dabei, wieder Klarheit zu finden: über ihre Rolle, ihre Belastung, ihre Grenzen und ihre eigenen Stärken. Nicht, damit du noch mehr leistest, sondern damit du ruhiger, klarer und sicherer führen kannst, ohne dich dabei selbst zu verlieren.

Führung bedeutet für mich viel mehr als bloss eine Aufgabe oder eine Rolle. Für mich ist sie eine Balance zwischen Verantwortung und Selbstfürsorge. Gesehen zu werden in deiner Rolle ist wichtig. Dich selbst zu führen ist jedoch entscheidend. Beides zusammen macht dich langfristig stark, klar und handlungsfähig – auf eine menschliche, authentische und tragfähige Weise.

Denn nachhaltige Führung wächst nicht aus Erschöpfung. Sie wächst aus Klarheit, Sicherheit und einem guten Kontakt zu dir selbst. Du darfst führen. Und du darfst dabei gut für dich sorgen.

Herzlich
Marion

Du hast Teil 1 verpasst? Hier gehts zum Beitrag: GESEHEN WERDEN IN DEINER ROLLE

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Marion Racioppi-Zuberbühler
Mentorin & Coachin für Leitungspersonen in der Kinderbetreuung

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