«Probiere wenigstens ein bisschen davon.»
«Iss doch noch etwas Gemüse, es ist gesund.»
«Wenn du aufgegessen hast, bekommst du einen Nachtisch.»
Sätze, die viele Menschen kennen, die Kinder begleiten oder sich an ihre eigene Kindheit erinnern. Meist sind sie gut gemeint. Wir möchten, dass sich Kinder ausgewogen ernähren, möglichst viele verschiedene Nährstoffe zu sich nehmen und unterschiedliche Lebensmittel kennenlernen.
Doch was brauchen Kinder, um ein gesundes und selbstbestimmtes Verhältnis zum Essen entwickeln zu können? Und welche Rolle spielt das Umfeld dabei?
Gesund essen – aber wie?
Wenn wir über ausgewogene Ernährung sprechen, denken wir heute an eine abwechslungsreiche Lebensmittelauswahl, ausreichend Flüssigkeit und einen bewussten Umgang mit stark verarbeiteten Lebensmitteln. Regionale und saisonale Produkte können dabei einen wertvollen Beitrag leisten.
Die Forschung weist jedoch zunehmend darauf hin, dass nicht nur das Angebot an Lebensmitteln bedeutsam ist, sondern auch die Art und Weise, wie Erwachsene Kinder beim Essen begleiten.
Studien zeigen, dass ein stark kontrollierender oder einschränkender Umgang mit Essen mit bestimmten Essverhaltensweisen von Kindern in Zusammenhang stehen kann. Die bisherigen Erkenntnisse weisen mögliche Zusammenhänge auf. Dennoch lässt sich nicht immer eindeutig feststellen, ob das Verhalten der Erwachsenen das Essverhalten der Kinder beeinflusst oder ob das Essverhalten der Kinder wiederum die Reaktionen der Erwachsenen prägt.
Kinder brauchen Orientierung und Selbstbestimmung
Kinder benötigen einen verlässlichen Rahmen, ein vielfältiges Lebensmittelangebot und Erwachsene, die ihnen unterschiedliche Lebensmittel zugänglich machen.
Gleichzeitig entwickeln sie ihre eigenen Vorlieben und lernen zunehmend, die Signale ihres Körpers wahrzunehmen. Hunger, Sättigung oder Neugier auf neue Lebensmittel gehören zu wichtigen Erfahrungen auf diesem Weg.
Responsive Feeding – Kinder beim Essen feinfühlig begleiten
Responsive Feeding beschreibt eine achtsame und feinfühlige Art, Kinder während der Mahlzeiten zu begleiten.
Die Bezugsperson nimmt die Signale des Kindes, beispielsweise Hunger, Sättigung oder den Wunsch nach einer Pause, wahr und reagiert angemessen und wertschätzend darauf. Gleichzeitig sorgt sie für einen verlässlichen Rahmen und gibt Orientierung.
Die erwachsene Person gestaltet diesen Rahmen, indem sie beispielsweise entscheidet, wann, wo und welche Lebensmittel angeboten werden. Innerhalb dieses Rahmens erhält das Kind zunehmend Raum, eigene Entscheidungen zu treffen, selbstständig zu essen und Erfahrungen zu sammeln.
So entsteht ein Zusammenspiel von Orientierung und Selbstbestimmung, bei dem Kinder Schritt für Schritt mehr Verantwortung für ihr eigenes Essverhalten übernehmen können.
Wird diese Form der Begleitung im Alltag bewusst umgesetzt und regelmässig reflektiert, kann sie mit der Zeit zu einer selbstverständlichen pädagogischen Haltung werden.
Die WHO empfiehlt Responsive Feeding für Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten.
Obwohl die bisherigen Forschungsergebnisse vielversprechend sind, braucht es weitere Studien, um genauer beurteilen zu können, welche Auswirkungen Responsive Feeding auf die Entwicklung des Essverhaltens von Kindern hat.
Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass dieser Ansatz Kinder dabei unterstützen kann, ein zunehmend selbstbestimmtes Essverhalten zu entwickeln und ihre Fähigkeit zur Selbstregulation beim Essen zu stärken.
Weiterbildung PEP – Gemeinsam Essen
Mit PEP – Gemeinsam Essen bietet die Fachstelle K&F eine Weiterbildung an, die Teams dabei unterstützt, ihre Haltung zu Esssituationen zu reflektieren und gemeinsam eine wertschätzende, beziehungsorientierte und kindgerechte Begleitung beim Essen weiterzuentwickeln.