Liebe Leitungsperson
Die Sommerferien liegen hinter uns. Neue Mitarbeitende haben ihre Arbeit aufgenommen. Bestehende Teams haben sich neu zusammengesetzt. Rollen wurden teilweise neu verteilt. Gewohnte Abläufe müssen sich erst wieder einspielen.
- Du spürst bereits, dass sich etwas verändert hat.
- Nicht nur im Team.
- Sondern auch bei dir selbst.
Während meiner eigenen Zeit als Leitung habe ich immer wieder erlebt, dass Veränderungen im Team auch etwas mit mir gemacht haben. Neue Mitarbeitende brachten neue Ideen, andere Sichtweisen und neue Dynamiken mit. Gleichzeitig entstanden Fragen, Erwartungen und manchmal auch Unsicherheiten, welche mich als Führungsperson beschäftigten.
- Wird das Team zusammenfinden?
- Wer übernimmt welche Rolle?
- Wo braucht es Unterstützung?
- Wo braucht es Geduld?
- Und manchmal auch die Frage: Wird es wieder so funktionieren wie vorher?
Rückblickend würde ich sagen: Nein.
Und genau darin liegt oft die Chance.
Denn jedes Team entwickelt seine eigene Dynamik. Mit jedem Wechsel verändert sich etwas. Beziehungen entstehen neu. Vertrauen muss wachsen. Rollen finden sich neu. Manche Prozesse benötigen Zeit.
Als Leitung können wir versucht sein, möglichst schnell wieder Stabilität herstellen zu wollen. Schliesslich tragen wir Verantwortung für den Betrieb, für die Mitarbeitenden, für die Qualität und für viele weitere Aufgaben.
Doch Entwicklung lässt sich nicht beschleunigen.
- Sie braucht Zeit.
- Beobachtung.
- Vertrauen.
- Und manchmal auch die Bereitschaft, Ungewissheit auszuhalten.
In meiner heutigen Arbeit als Coachin und Mentorin begegne ich Leitungspersonen, die über ein grosses Fachwissen verfügen. Sie kennen ihre Aufgabe, ihr Team und wissen, was gute Führung ausmacht.
Und dennoch gibt es Momente, in denen die Vielzahl an Erwartungen, Verantwortung und Emotionen den Blick auf das erschwert, was sie eigentlich bereits wissen. Genau dann kann eine Aussensicht helfen, wieder Klarheit zu gewinnen.
Gerade in solchen Phasen kann etwas anderes hilfreich sein.
- Bewusst innehalten.
- Wahrnehmen.
- Beobachten.
- Zusammenhänge erkennen.
- Und dem Team die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu machen.
Manchmal verändert sich nämlich nicht nur das Team. Manchmal verändert sich auch die eigene Rolle als Leitung.
Du begleitest dein Team in dieser Phase oft intensiver als sonst. Du gibst Orientierung, vermittelst Sicherheit und schaffst Vertrauen.
Gleichzeitig kann es herausfordernd sein, gewisse Aufgaben loszulassen oder darauf zu vertrauen, dass sich das Neue entwickeln darf.
All das ist verständlich.
Veränderungen brauchen Zeit – nicht nur für Teams, sondern auch für Führungspersonen.
Deshalb lohnt es sich, den Blick nicht ausschliesslich auf das Team zu richten. Sondern auch auf sich selbst.
Denn Veränderungen lösen bei jeder Führungsperson etwas aus. Das ist normal. Wer Verantwortung trägt, bleibt davon nicht unberührt.
Es lohnt sich, bewusst wahrzunehmen, wie du diese Übergangsphase erlebst. Welche Gedanken dich begleiten. Welche Erwartungen du an dich selbst stellst. Was dir Sicherheit gibt. Und was du brauchst, um dein Team weiterhin mit Klarheit und Vertrauen begleiten zu können.
Je bewusster wir unsere eigenen Reaktionen wahrnehmen, desto klarer können wir unser Team begleiten.
Nicht, weil wir alle Antworten haben. Sondern weil wir Orientierung geben können, auch wenn noch nicht alles geklärt ist.
Reflexionsfragen:
- Gedanken, die dich durch die nächsten Wochen begleiten dürfen:
Was hat sich in meinem Team seit den Sommerferien verändert? - Welche Veränderungen nehme ich bei mir selbst wahr?
- Wo wünsche ich mir mehr Geduld im Entwicklungsprozess?
- Wo darf ich meinem Team mehr Vertrauen schenken?
- Welche Rolle möchte ich in diesem neuen Abschnitt bewusst einnehmen?
Als Coachin vermittle ich dir nicht, wie Führung funktioniert. Ich begleite dich dabei, den Zugang zu deiner eigenen Klarheit und Führungskraft wiederzufinden.
Manchmal braucht es nicht sofort eine Lösung.
Manchmal genügt es, aufmerksam zu beobachten, Vertrauen wachsen zu lassen und Schritt für Schritt gemeinsam weiterzugehen.
Herzlich,
Marion Racioppi-Zuberbühler
Coachin und Mentorin für Leitungspersonen in der Kinderbetreuung