Liebe Leitungsperson,
Aufgrund des letzten Newsbeitrags im September, welcher mit dem Thema Burnout-Prävention starke Resonanz hervorrief, möchte ich in diesem Beitrag auf das Thema Abgrenzung eingehen.
Weshalb Abgrenzung? Durch die vielen unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen, mit welchen du als Leitungsperson tagtäglich konfrontiert bist und eine grosse Verantwortung trägst, begegnest du diesem Thema bestimmt regelmässig.
Du bist Ansprechpartner*in für Kinder, Eltern, Mitarbeitende und oft auch für Trägerschaft oder Behörden. Du hast den Überblick, sorgst für Struktur, begleitest pädagogische Prozesse und trägst wesentlich zur Qualität und Kultur der Institution bei.
Doch genau diese Vielseitigkeit bringt eine grosse Herausforderung mit sich: die eigene Abgrenzung.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, ständig «verfügbar» sein zu müssen. Der Tag ist voll, die To-do-Liste länger als die verfügbare Zeit, und das Bedürfnis nach Ruhe und Übersicht bleibt oft auf der Strecke.
Abgrenzung ist weder ein Zeichen von Schwäche und auch kein „Luxus“, sondern eine wesentliche Führungsaufgabe. Denn nur wer sich selbst gut führt, kann auch andere gut begleiten.
Darum möchte ich Dich in diesem Beitrag dazu einladen, den Blick nach innen zu richten – auf Deine Bedürfnisse, Deine Energie und Deine Grenzen.
Prioritäten klären – was ist wirklich wichtig?
Als Leitung jonglierst Du viele Aufgaben gleichzeitig. Du triffst unzählige Entscheidungen. Doch nicht alles hat die gleiche Bedeutung. Wenn alles Priorität hat, hat am Ende nichts Priorität.
Deshalb nimm Dir immer wieder einen Moment, um innezuhalten und Dich zu fragen:
- Was braucht jetzt meine Aufmerksamkeit wirklich?
- Was kann ich delegieren – und damit jemandem im Team Verantwortung und Vertrauen schenken?
- Wo reagiere ich nur, statt bewusst zu handeln?
Indem Du Deine Prioritäten klar setzt, schaffst Du Raum – für Fokus, für Qualität und auch für Dich selbst. Ein bewusster Umgang hilft, Energie gezielt einzusetzen und dich nicht im Reagieren zu verlieren. Führung bedeutet nicht, alles selbst zu machen – sondern das Wichtige im Blick zu behalten.
Grenzen setzen – Dich selbst ernst nehmen
Abgrenzung beginnt bei deiner inneren Haltung. Viele Leitungspersonen geben unglaublich viel – mit Herz, Engagement und Leidenschaft. Doch genau darin liegt die Gefahr, die eigenen Grenzen zu übergehen. Dauerhafte Erreichbarkeit, zu viele Aufgaben und das Gefühl, es allen recht machen zu müssen, führen langfristig in die Erschöpfung. Wenn du deine Energie schützt, bleibst du handlungsfähig – für dein Team, die Eltern, die Kinder und dich selbst.
Klare Grenzen setzen heisst:
- die eigenen Ressourcen kennen und schützen,
- Überforderung frühzeitig wahrnehmen,
- und bewusst entscheiden, wann und wie du zur Verfügung stehst.
Das kann heissen, klare Zeiten für Elternanfragen zu definieren, Aufgaben an das Team abzugeben oder auch mal zu sagen: „Das kann ich heute nicht mehr übernehmen.“ Abgrenzung ist kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge. Sie bewahrt Deine Kraft – und ermöglicht Dir, langfristig wirksam und mit Freude zu führen.
Wertschätzend kommunizieren – Klarheit mit Herz
Die wertschätzende Kommunikation ist ein Grundstein, um eine gute Teamarbeit und Führung zu ermöglichen. Dies ist uns allen klar. Auch Grenzen lassen sich mit Herz setzen. Es geht nicht darum, hart oder abweisend zu sein, sondern klar und respektvoll. Eine klare Kommunikation, die sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die Beziehungsebene achtet, schafft Vertrauen.
Statt ein schlichtes „Nein“ kann ein Satz wie folgender positiv wirken:
„Ich sehe, dass Dir dieses Thema wichtig ist. Damit ich Dir richtig zuhören kann, schlage ich vor, dass wir morgen gemeinsam Zeit dafür einplanen.“
So bleibst Du in Beziehung und gleichzeitig klar. Wertschätzende Kommunikation ist der Schlüssel: Sie verbindet Klarheit mit Empathie und macht Abgrenzung zu etwas, das stärkt und nicht trennt.
Führung heisst, Vorbild zu sein. Wer respektvoll mit den eigenen Grenzen umgeht, zeigt auch dem Team, dass Selbstfürsorge Teil professioneller Haltung ist. Und dies wünschst oder erwartest du ja auch von deinen Mitarbeiter*innen.
Zum Schluss: Abgrenzung ist Selbstführung
Abgrenzung ist kein starres Konstrukt, sondern ein dynamischer Prozess. Sie verändert sich mit den Anforderungen, der Teamkonstellation und der eigenen Lebensphase.
Entscheidend ist, immer wieder hinzuschauen und hinzuspüren:
- Was tut mir gut?
- Was erschöpft mich, wo darf ich mich klarer positionieren?
- Welche Grenze will ich heute wahren?
Du darfst Dir selbst denselben Respekt entgegenbringen, den Du anderen schenkst. Du darfst Grenzen setzen. Du darfst „Nein“ sagen. Und Du darfst Dir erlauben, Dich selbst wichtig zu nehmen. Denn: Nur wer sich selbst gut führt, kann auch andere gut führen.
Reflexionsimpuls für Dich: Wann hast Du das letzte Mal ganz bewusst eine Grenze gesetzt? Und wie hat sich das angefühlt? Beobachte dich in den nächsten Tagen bewusst zum Thema Grenzen setzen.
Möchtest Du Deine Führungsrolle regelmässig reflektieren, neue Perspektiven gewinnen und gesunde Strukturen für Dich und Dein Team entwickeln?
Dann lass uns gemeinsam hinschauen.
Kontaktiere mich für ein unverbindliches Kennenlern-Gespräch.
Herzliche Grüsse
Marion
Mentorin & Coachin für Leitungspersonen in der Kinderbetreuung