„Was ist das?“, „Was hat es da drin?“, „Ist das gut?“ Solche und weitere Fragen kennen wohl alle, die Kinder begleiten, erziehen und bilden. Sie gehören zum Alltag mit Kindern.
Manchmal entsteht dabei jedoch der Eindruck, dass Kinder heute verwöhnter oder beim Essen wählerischer wirken als früher. Passend dazu scheint auch, dass der Begriff «Picky Eater», also «wählerische Esser», heute zunehmend verwendet wird. Dies wiederum erweckt den Eindruck, als stünde er als Synonym für das Essverhalten einer ganzen Kindergeneration.
Doch trifft dies auch zu?
Ein genauerer Blick zeigt: Kinder waren schon immer unterschiedlich. Auch beim Essen. Skepsis, Zurückhaltung, Ablehnung sowie Vorlieben für bestimmte Geschmäcker und Speisen sind keine neuen Erscheinungen. Sie gehören zu einer normalen Entwicklung. Kinder entdecken ihre Umwelt Schritt für Schritt – und das schliesst auch das Essen mit ein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang der „Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)“ (unter Beteiligung der Paris-Lodron-Universität Salzburg). Dieses linguistische Forschungsprojekt untersucht die Alltagssprache im deutschsprachigen Raum und weist bereits eine beachtliche Anzahl an Begriffen aus, die in Deutschland für „wählerisch beim Essen“ verwendet werden.
Hier eine Auswahl:
Heikel, gnäschig, schleckig, mäkelig, schnücksch, pingelig, leksch, schlauchig.
Quelle: https://www.atlas-alltagssprache.de/runde-3/f09b/
Auch der schriftliche Nachweis von H. Dietzi-Bion, „Dr. Hustyrann“ aus dem Jahr 1904, deutet darauf hin, dass der Begriff „schnäderfräsig“ (umgangssprachlich für „wählerisch beim Essen“) bereits damals in der Region Bern verwendet wurde.
Diese Informationen weisen darauf hin, dass es sich beim heutigen Essverhalten einiger Kinder wohl eher nicht um ein primäres Phänomen des 21. Jahrhunderts handelt.
Unbestritten verändert hat sich jedoch das Umfeld, in dem sich viele Kinder heute bewegen. Die Auswahl an Lebensmitteln, Informationen und Möglichkeiten ist massiv gestiegen. Auch Erziehungsstile haben sich weiterentwickelt, ebenso Gesellschaften und Kulturen, die Kinder prägen. All dies kann den Eindruck erwecken oder verstärken, Kinder seien „heikler“ geworden.
Pädagogisch betrachtet scheint es nach wie vor sinnvoll zu sein, Kindern Zeit zu lassen und sie Lebensmittel durch eine Begleitung ohne Druck kennenlernen zu lassen. Dadurch können sie nach und nach Offenheit entwickeln und sowohl Vertrauen in ihre Bezugspersonen als auch gegenüber den Lebensmitteln bzw. dem Essen aufbauen.
Als ausgebildeter Fachmann Betreuung Kinder EFZ, Ausbilder mit eidgenössischem Fachausweis sowie zertifizierter systemisch-lösungsorientierter Kurzzeitberater (ZiS) bringe ich über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen der Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit. Die pädagogische Praxis kenne ich mit ihren Herausforderungen, Zeitressourcen und realen Rahmenbedingungen aus eigener Erfahrung.
Diese Verbindung aus fundiertem Fachwissen und langjähriger Praxiserfahrung prägt meine Arbeit als Referent, pädagogischer Fachberater und Teamweiterbildner. Mir ist es wichtig, Weiterbildungen praxisnah, reflektiert und verständlich zu gestalten.
Gerne würde ich die Teamweiterbildung „PEP – Gemeinsam Essen“ in Ihrer Institution durchführen und Ihr Team auf dem Weg zu unterstützenden, beziehungsorientierten Esssituationen begleiten.
Übrigens: Die Fachstelle K&F bietet weitere massgeschneiderte Angebote an, welche Spielgruppen und pädagogische Institutionen dabei unterstützen, optimale Lösungen für ihre jeweiligen Anliegen zu finden.
Rahim Lascandri
Fachverantwortung Gemeinsam essen