Immer wieder werde ich von Fachkräften und Eltern gefragt: Wie gehen wir mit Kindern um, die viel essen wollen? Eine wichtige Frage – denn Essverhalten ist oft Ausdruck des Befindens. Die Art, wie ein Kind Nahrung annimmt oder verweigert, kann Hinweise auf seine emotionale oder soziale Situation geben.
Wichtige Schritte:
- Beobachtungen dokumentieren und Bezugspersonen informieren.
- Bei Bedarf Fachpersonen hinzuziehen.
Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds betrachte ich das Thema aus pädagogischer Sicht. Zuerst kläre ich:
- Wie oft zeigt das Kind dieses Verhalten? Nur bei bestimmten Speisen oder generell?
- Befindet es sich in einer Wachstumsphase?
- Wie wirkt das Kind insgesamt? Fröhlich, bedrückt, in der Gruppe integriert?
Mögliche Hintergründe für schnelles oder übermässiges Essen:
- Kompensation von Gefühlen oder Abbau von Spannungen durch Essen.
- Vorbilder im Umfeld: Wird das Essverhalten zuhause oder in der Institution vorgelebt?
- Familiäre Situation: Gibt es ausreichend Nahrung? Wie ist die Stimmung bei Mahlzeiten?
- Laute, gestresste, unruhige Atmosphäre
- Bestehen strenge oder starre Regeln etc.?
Wichtig: Viel essen darf nicht moralisch bewertet werden. Es geht darum, Ursachen zu verstehen und gemeinsam neue, hilfreiche Verhaltensweisen zu entwickeln. Es gibt kein Patentrezept – aber tragfähige Beziehungen und Vertrauen sind oft der Schlüssel. Erst dann können Verhaltensänderungen gelingen.
Praktische Tipps:
- Kleine Pausen während der Mahlzeit einbauen (z. B. durch Gespräche oder kleine Aufgaben).
- Zeit für das Essen verlängern, damit das Sättigungsgefühl einsetzen kann (dauert ca. 20 Minuten).
- Kein Druck, kein Zwang – Ziel ist es, ein gesundes, selbstbestimmtes Essverhalten zu fördern.
Die K&F Fachstelle Kinder&Familie bietet zu Themen rund um herausfordernde Esssituationen massgeschneiderte Angebote an, welche von mir betreut und durchgeführt werden.
Rahim Lascandri
Fachverantwortlicher Gemeinsam Essen